Banjo oder Sehnsucht?


Das Banjo bedeutete Freiheit für mich. Meine erste Inspiration auf dem Instrument bekam ich von Michael Lohrengel, dem Banjospieler aus der Backyard Buskin Band. Später bin ich zu Lody van Vlodrop nach Kampen getrampt, der mir den ganzen Banjokosmos eröffnet hat und mir empfohlen hatte, ein richtiges Banjo zu kaufen.

Nachdem mein verstorbener Vater mir einen Sparbrief hinterlassen hatte, der zu dieser Zeit zur Auszahlung kam, habe ich mir in den USA ein Stelling Superstar bestellt. So ausgerüstet habe ich irgendwann all meinen Mut zusammengenommen und Uli auf der Straße angesprochen, ob er Lust hätte mal zusammen mit mir zu jammen. Es kam eins zum anderen. Wir suchten dann noch einen Bassisten und einen Gitarristen. Mit Stephan Lindner an der Gitarre waren wir zu Dritt und später kam noch Benjamin Weißert am Bass dazu. Die erste Band stand – das Ardey Quartett. Uli schlug mir vor, zu ihm und Anke, seiner Frau, zu ziehen in einen Kotten. „Da können wa‘ den ganzen Tag Musik machen!“, war sein Versprechen. Der Vorschlag fühlte sich gut an, weg von zu Hause, dem Zusammenleben mit meiner Mutter, dem kleinen Jugendzimmer. Ich zog bei Uli und Anke ein. Wir spielten traditionelle Bluegrasssongs, Rockhits wie So happy together oder Pinball Wizzard. Aber auch Gedichtvertonungen von Erich Kästners „Maskenball im Hochgebirge“ oder eigene Kompositionen von mir wie La Röchel. Es folgten Auftritte durch Clubs, Jugendzentren, Stadtfeste und Kneipen in ganz Westdeutschland. Eine Tour durch Süddeutschland und die Schweiz folgte. Es kamen Anfragen als Banjospieler. Einmal für einen Film in der Produktion „Schnelles Geld“ von Raimund Koplin und Renate Stegmüller oder für eine Schallplattenproduktion von Ray Austin – „Elevenses“.

Doch etwas lastete auf meiner Seele wie ein schwerer Stein. Im geborgenen Zuhause bei meiner Mutter fiel er mir nie auf. Er ließ mich unruhig werden und hinderte mich, die neugewonnene Freiheit zu genießen. Der Vermieter des Kotten, in dem wir wohnten, war mit der WG-Form nicht einverstanden. Ich zog aus und suchte mir eine eigene Wohnung. Die Schule, zu der ich damals noch ging, brach ich ab. Ein kleiner Autounfall, den ich verursachte, stürzte mich in Schulden. Ich stieg aus dem Ardey Quartett aus, verkaufte das Banjo, beglich die Schulden, kündigte die neue Wohnung und kaufte mir eine klassische Gitarre. Mit einem Freund tingelte ich dann durch Europa. So trennten sich die Wege von mir und Uli.

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