
Ardey Quartett ca. 1980
Es sollte mein erster Auftritt sein. Uli sagte nur: „Dat schaffs‘e schon. Wir krieg’n zweihundert Mark. Is’n Stadtteilladen in Bochum.“ In Stadtteilläden kaufte man nichts, man bekam etwas umsonst – Gemeinschaft. Es war ein trüber Novemberabend. Wir brauchten nur unsere Instrumente, Uli seine Gitarre und Mandoline und ich mein Fivestring Banjo und Gitarre. Ich war aufgeregt – würde mein Dear Old Dixie klappen, so wie ich es von der Platte heruntergehört hatte?
Der Stadtteilladen war ein altes Ladenlokal. Wohnzimmeratmosphäre, alte Sperrmüllsofas und Stühle bunt gemischt, Stehlampen, Nierentischchen. Die, die keinen Platz auf den Möbeln hatten, saßen auf dem Boden, der mit alten Perserteppichen ausgelegt war. Geheizt wurde dort mit einem Kohleofen. Jüngere und Ältere, eben Nachbarschaft, saßen dicht beisammen und rauchten Selbstgedrehte, Rothändle oder Gauloise und tranken Flaschenbier, Wein oder Tee. Im Hintergrund röchelte noch eine Kaffeemaschine. Draußen regnete es und der Regen schlug gegen die Schaufensterscheibe. Wenn jemand reinkam in seinem Ostfriesennerz oder Norwegerpullover, ging ein „Psst“ durch das Publikum, man rückte noch näher zusammen und machte Platz. Wir spielten ohne Verstärker und das ging, weil die Leute zuhörten. Und durch das Zuhören entstand diese Spannung, die mein Herz bis in den Hals schlagen ließ. Uli war souverän, er hatte schon unzählige Auftritte hinter sich und gab mir Sicherheit.
Dann Dear Old Dixie. Höllentempo, aber es klappte. Die letzten drei Töne – Stille, Applaus. Und die Leute wollten Zugabe. Als ich am Ende noch die Hundert Mark in der Hand hielt, wusste ich, ich wollte nichts anderes mehr machen als diese Musik. Doch jeder Tag ist anders und morgen sollte ein anderes Heute sein.
