Musik: Tombeau de Mezangeau, Komposition von Ennemond Gaultier (1575 – 1651), Rüdiger Gies – Barocklaute
[…] Pascal Ménardeau, der bisher still wie ein Schatten dagesessen hatte, beugte sich mit seiner Laute auf dem Knie ein wenig vor.
Seine Stimme erhob sich kaum hörbar:
»Meine Freunde …«
Er ließ einen sanften Akkord erklingen, nicht mehr als ein leiser Hauch von Klang, der sich wie feiner Staub in die Kerzenluft senkte. Dann sprach er weiter: »Mein guter Freund … Ennemond Gaultier …«
Ein Raunen ging durch den Kreis. Währenddessen glitten Ménardeaus Finger über die Saiten und ließen einen zweiten Akkord folgen, etwas dunkler, etwas runder.
»… er widmete seinem alten Lehrmeister René Mezangeau ein Tombeau, wie es kein zweites gibt.«
Er spielte eine kurze, helle Tonfolge, nur vier oder fünf Töne, unterbrach seinen Satz und wiederholte die Folge, als prüfe er ihren Widerhall im Raum.
»Gaultier erzählte mir«, fuhr er fort, den Blick halb gesenkt, »dass Mezangeau stets behauptete, nichts stelle die Verbindung mit den Seelen der Toten wieder her … so wahr und so rein … wie die Musik.«
Ein kurzer, melancholischer Lauf über die hohen Saiten.
»Die Worte«, sprach er weich, »vergehen. Die Werke verwehen. Aber die Musik …«
Er strich langsam die tiefste Saite an, ein warmer, brummender Ton, der sich in den Boden senkte.
»… die Musik wandert weiter. Sie berührt die Seelen der Lebenden und die der Verstorbenen gleichermaßen.«
Er hielt an, blickte in die Runde. Er stimmte die höchste Saite nach, dann plötzlich, wiederholte er dieselbe Akkordfolge wie zuvor, diesmal langsamer, bedeutender, wie eine Erinnerung, die ans Licht drängt.
»Darum«, flüsterte er, »möchte ich euch das Tombeau de Mezangeau spielen. Und ich glaube … ich glaube, René irrte. Denn die Seele … Sie vergeht nicht.« […]
